Generationen leiden unter den Verbrechen des Krieges

Alexandra Senfft liest eine Nachkriegsgeschichte, die unter die Haut geht

Anlässlich des 75. Jahrestages der Karlsruher Bücherverbrennungen lädt die Stadtbibliothek für Mittwoch, 4. Juni, um 20 Uhr im Lesecafé der Stadtbibliothek im Neuen Ständehaus zu einer Lesung von Alexandra Senfft ein. Die Enkelin von Hanns Ludin, Hitler-Gesandter in der Slowakei, war 1988 Nahostreferentin der Grünen-Fraktion im Bundestag, dann UN-Beobachterin in der Westbank und bis 1991 UN-Pressesprecherin im Gazastreifen. Anschließend arbeitete sie als Reporterin und Redakteurin. Heute schreibt sie für namhafte Zeitungen und Zeitschriften.

Alexandra Senffts Buch Schweigen tut weh ist einerseits eine Familiengeschichte, andererseits eine bewegende Liebeserklärung an ihre Mutter, die oberflächlich gesehen an Depressionen und Alkohol zugrunde ging, in Wirklichkeit aber am Schweigen der eigenen Mutter. Hanns Ludin wurde für seine Mitwirkung an der Juden-Deportation 1947 in Bratislava zum Tode verurteilt und gehängt. Die Familie mit den sechs Kindern wird von Ludins Witwe Erla durchgebracht. Alexandra Senffts geliebte Großmutter ist eine starke Frau und sie gebietet das Schweigen in der Familie über den exekutierten Kriegsverbrecher. Sie sorgt dafür, dass ihre älteste Tochter trotz eines großbürgerlichen Lebens im Hamburger Nachkriegsestablishment letztlich am Verschweigen der Wahrheit und der Unfähigkeit zu reden, scheitert.

Schweigen tut weh gilt als eines der Meisterwerke der Enkel-Literatur, eindringlich geschrieben und mit klug gewählter Distanz zu den Personen. Gleichzeitig ein in ehrlichem und mutigem Ton formulierter Versuch, Verantwortung zu übernehmen. Nicht für die Verbrechen, die ein anderer beging, sondern für das Aufbrechen des Schweigens. Die Autorenlesung findet in Kooperation der Stadtbibliothek mit der Buchhandlung Mende statt, die auch mit einem Büchertisch vertreten ist. Karten zu sechs Euro (ermäßigt vier Euro) sind in der Stadtbibliothek im Neuen Ständehaus erhältlich.

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