Fachleute aus Lublin, Lüttich, Temeswar, Straßburg und Nancy in Karlsruhe
Um Stadt- und Kulturgeschichte sowie Jugendstil ging es auf Einladung der Stadt am 4. und 5. Juni bei einer Arbeitstagung von Kulturchefs und Museumsleitern. Seit 2002 treffen sich Kulturfachleute aus Karlsruhe, Nancy und deren Partnerstädten, um gemeinsam europäische Kultur-Netzwerke zu bilden. Die Experten aus Nancy – an der Spitze hier die gerade neu gewählte Kulturstadträtin Jocelyn Rebout – , Karlsruhe, Temeswar, Lublin, Lüttich und seit langer Zeit auch wieder aus Straßburg besuchten das Prinz-Max-Palais, das Badische Landesmuseum, das ZKM und die Städtische Galerie sowie die Kunsthalle, um Neuausrichtungen und moderne Konzeptionen zu diskutieren. Erstmals einbezogen waren die osteuropäischen Partnerstädte Lublin (Nancy) und Temeswar (Karlsruhe). Solche grenzüberschreitenden Netzwerke zwischen Museen bei der Arbeit an konkreten Projekten aufzubauen, sah Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche bei der Begrüßung als zentrale Aufgabe der Zukunft.
So freute sich Organisatorin Elisabeth Schraut, Kulturamt, denn auch über die rege Diskussion und zahlreiche Ideen für gemeinsame Projekte. So kamen beispielsweise aus Lublin, wo die Gedenkstätte Maidanek liegt, die Anregung, eine gemeinsame Tagung zu Stätten der Erinnerung zu veranstalten und eine Präsentation über eine dort liegende, baugeschichtlich bedeutsame mittelalterliche Kapelle zu erarbeiten. Möglich wären außerdem mehrere Fotoausstellungen in Straßburg oder Lublin. An einer Majolika-Schau hat Temeswar Interesse. Das Badische Landesmuseum will seine französische Jugendstilreihe im Herbst 2009 nach Callé und den Brüdern Daumes mit einer dritten Schau über Louis Majorelle fortsetzen. Zur Verbesserung des grenzüberschreitenden Kulturaustauschs soll zudem eine deutsch-französische Broschüre aufgelegt werden, die 2009 dem Jugendstil gewidmet sein könnte. Darüber hinaus hat die Stadt Straßburg Karlsruher Museen eingeladen, sich im Herbst mit einem gemeinsamen Stand am jährlichen Infomarkt während der journeé du patrimoine zu beteiligen.
Auf reges Interesse stieß außerdem das Projekt Europäischer Stadtbrief, das während der Bewerbung Karlsruhes zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 ins Leben gerufen wurde. Elke Mai, neue Abteilungsleiterin Allgemeine Kultur, stellte die Überlegungen zur Fortschreibung des Privilegienbriefs, mit dem Stadtgründer Markgraf Karl Wilhelm 1715 Ansiedlungswillige aus vielen Ländern in seine neue Stadt gezogen hatte, vor. Darin sind bereits Ergebnisse aus zwei früheren Workshops in St. Gallen und Temeswar eingeflossen. Im Zentrum steht jetzt die Frage, in wieweit ein neu zu definierender europäischer Stadtbrief in einem Prozess der Selbstverständigung vernetzend für andere Kulturstädte sein könnte, um so Kultur als verbindendes Element zwischen Menschen in Europa einsetzen zu können. Im Juni gibt es dazu auch ein Treffen mit den Verantwortlichen der designierten Kulturhauptstadt 2010 Essen/Ruhr, die sich möglicherweise mit anderen Städten an der Fortschreibung beteiligen will.