Man wird in Karlsruhe nur einmal Zeuge der Entzündung einer olympischen Flamme! So der Ausspruch einer Karlsruher Fremdenführerin, die es ja wissen muss. Etwa 200 Menschen hatten sich auf dem Karlsruher Marktplatz eingefunden, um die Zeremonie zur Entzündung der Fackel zu erleben. Unter Anwesenheit des Karlsruher Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuter, des ersten Bürgermeisters Siegfried König und Carmen Würth entzündete Bürgermeister Harald Denecken die Fackel, die anschließend von einer Staffel aus über 70 Schülern aus Karlsruher Förderschulen quer durch die Fächerstadt bis zur dm-arena getragen wurde.
Aufgeregt wartete die erste Läufergruppe aus der Schule am Weinweg auf Ihren Einsatz. Die blinde Läuferin Cagla Ayboga freute sich besonders, als ihre Familie kam, um sie zu unterstützen. Die Schule am Weinweg, Schule für Sehbehinderte, unterstützt während der National Games die Basketball-Wettbewerbe: Der Förderverein und Schüler der achten Klasse sorgen für das leibliche Wohl der Sportler. Auch die Kimmelmannschule, Förderschule in Karlsruhe, beteiligten sich mit einer Staffel am Fackellauf. Die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen hatten sich durch konsequentes Lauftraining auf den Torch Run vorbereitet. Sollen wir uns nicht noch warm laufen? fragte einer der Schüler. Die kurze Strecke schafft ihr auch so! war die Antwort des Sportlehrers. Wir wollen mit unseren Schülern auf jeden Fall auch am wettbewerbsfreien Angebot teilnehmen, so die Direktorin Kimmelmannschule. Wir wollen aber auch die
Wettkämpfe im neuen Stadion des SVK sehen! warf einer der Schüler ein.
An der Europahalle wurden die ankommenden Läufer von den Schülern der Erich-Kästner-Schule erwartet. Dort wurde in Olympic Town die Feierschale entzündet, in der dann während der Spiele das olympische Feuer brennen wird. Von der Europahalle aus laufen Kinder und Jugendliche der Erich-Kästner-Schule (Schule für Sprachbehinderte und Hörgeschädigte) durch die Günther Klotz-Anlage. Ab dem Wechselpunkt am Rudersee wurde die Fackel von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Waldhausschule aus Malsch (Förderschule mit Internat und Ganztagesbetreuung) übernommen. Als Anerkennung für das Engagement von 1200 Volunteers während der Spiele trug eine Abordnung dieser Gruppe die Fackel über zwei Etappen, bevor die Hardtwaldschule (Schule für Schüler mit geistiger Behinderung) die beiden Schlussetappen zur dm-arena übernahmen. Dort kam die Fackel gegen 19.30 an und wurde unter tosendem Beifall durch die volle dm-arena zur Bühne getragen, wo sie von SO-Global Messenger Patrick Brehmer in Empfang genommen wurde, der damit das Olympischer Feuer auf der Bühne entzündete.
Große Eröffnungsfeier vor 10.000 Gästen in der dm-arena
Hier ist eine tolle Atmosphäre, zeigte sich Günther Oettinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg beeindruckt, als er die dm-arena betrat. Diese erfuhr am gestrigen Abend mit 10.000 Gästen eine Premiere: Noch nie war die dm-arena für eine Veranstaltung mit 10.000 Plätzen bestuhlt gewesen. 3600 Athleten, ihre Betreuer Trainer, Familienangehörige und über 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport waren gekommen, um die eine lebendige und emotionale Eröffnungsfeier zu erleben. Die Veranstaltung ist Werbung für den Sport und die Sportstadt Karlsruhe so Oettinger in einer Ansprache und nichts verbindet Menschen so sehr wie der Sport.
Erster Höhepunkt der Eröffnungsfeier war der Einmarsch der Delegationen aus allen 16 Bundesländern sowie der fünf ausländischen Delegationen. Die Delegationen wurden begleitet von den Vorsitzenden der Special Olympics-Landesverbände und prominenten Sportpaten wie Gabi Ottke, deutsche Meisterin im Schwimmen, der ehemaligen Hockey-Weltmeisterin Greta Blunck oder Björn Goldschmidt, Vizeweltmeister im Kanu.
Athletensprecher Markus Reger begrüßte die Gäste und warb für eine rege Zuschauerresonanz an den Sportstätten in den kommenden Tagen. Gernot Mittler, Staatsminister a.D. und Präsident von Special Olympics Deutschland: Ich begrüße vor allem Euch, liebe Athleten, die Ihr im Mittelpunkt dieser Woche stehen werdet! Ihr habt euch intensiv vorbereitet, unterstützt von euren Coaches und Betreuern die im Alltag eine große Arbeit leisten das sind wahre Leistungsträger der Gesellschaft! Diese National Games
verkündigen die gleichberechtigte Teilnahme aller in der Gesellschaft: Wir gehören dazu, und zwar nicht irgendwo am Rand sondern mittendrin! Und dabei soll es bleiben!
Abwechslungsreiche Showeinlagen sorgten für eine begeisterte Stimmung unter den Zuschauern: So zeigte die Turnfabrik Straubenhardt mit dem dreifachen Olympiasieger Sergei Charkov, dem mehrfachen russischen Meister Alexei Grigoriev, Achim Wackenhut und Dirk Walterspacher eine beeindruckende Show am Hochreck. Das integrative Theaterprojekt des Sandkorntheaters und der Lebenshilfe Karlsruhe, Ettlingen und Umgebung, D!E SP!NNER zeigte eine eigens für die Eröffnungsfeier konzipierte Szene Sportskanone und Sportsgeist aus ihrem neuen Stück Fit wie Turnschuh. Die Schauspieler mit und ohne Behinderung bewiesen eine beeindruckende Bühnenpräsenz und demonstrierten mit Ihrem Stück, dass der Teamgeist bei Special Olympics an erster Stelle steht. Die Fetten Moves aus Karlsruhe ließen die Herzen aller Breakdance-Fans höher schlagen und die Braunschweiger Formation Jazzkantine heizte nochmals ordentlich ein, bevor es dann zum Höhepunkt der Eröffnungsfeier kam: Dem Olympischen Zeremoniell.
Doris Fitschen, ehemalige Nationalspielerin im Fußball und Carsten Bergemann, Weltmeister im Bahn-Teamsprint trugen gemeinsam mit Sportkoordinatoren von Special Olympics die olympische Fahne durch die Zuschauerreihen zur Bühne. Nicole Funk, Athletensprecherin von Baden-Württemberg sprach zusammen mit der zweifachen Olympiasiegerin Heike Drechsler den olympischen Eid, Elke Maaßen, Kampfrichterin des Badischen Leichtathletikverbandes sprach den Eid für die Kampfrichter. Dann kam es zu Höhepunkt: Patrick Brehmer, Global Messenger von Special Olympics Deutschland entzündete mit der Fackel das Olympische Feuer. Gernot Mittler, Präsident von Special Olympics und Heinz Fenrich erklärten im Anschluss die Spiele für eröffnet.

Nach der SO-Hymne Let me win schaltete die Regie nahtlos zum Fußball-EM-Spiel Deutschland gegen Österreich nach Wien um. Das Happy End kam dann nach 90 Minuten mit dem 1:0-Sieg für Deutschland.
Stimmen prominenter Gäste:
Walter Tröger, IOC-Mitglied, SOI-Aufsichtsrat
Jede Veranstaltung von Special Olympics ist für die mental behinderten Menschen ein Schritt vorwärts auf dem Weg der Integration. Je mehr Wettkämpfe und Veranstaltungen, auch auf regionaler Ebene, stattfinden, desto besser ist es für alle, auch für die Menschen ohne Behinderung.
Der Abend heute dient ein wenig der Einstimmung für die Teilnehmer hier, die ja so leicht motivierbar und so begeisterungsfähig sind. Diese National Games sagen uns: Sie gehören dazu, sie sind wichtig. Es ist für die Gesellschaft ein ganz großer Fortschritt, dass jeder dabei sein kann, dass jeder gewinnen kann, getreu dem Motto: Lasst mich gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, so lasst mich mutig mein Bestes geben.
Im letzten Jahr ist ja die Aufnahme von Special Olympics Deutschland in den DOSB und die Landessportbünde erfolgt, somit ist SOD eine der deutschen Sportorganisation. Das ist durchaus eine neue Qualität, zumal auch die Medien sich zunehmend um das Thema kümmern. Dass wir ausgerechnet heute ein EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft haben nun, auch das gehört dazu und ist kein Gegensatz. Ich spüre hier eine große Vorfreude auch darauf, es wird gemeinsam gefeiert, es ist eine tolle Stimmung, es geht hier wie da um den Sport, es ist wieder ein Stück Gemeinsamkeit.
Björn Goldschmidt, Kanute, Vizeweltmeister 2005, Sportpate:
Ich finde Special Olympics eine ganz tolle Sache! Wir haben in der Verwandtschaft auch
jemanden mit einem Down-Syndrom, insofern habe ich keinerlei Berührungsängste, ganz im
Gegenteil ich freue mich darauf, diese Woche ganz aktiv dabei zu sein, weil unser Verein
hier bei den Kanu-Events Mitausrichter ist. So werde ich helfen, und auch auf dem Wasser mit
dabei sein.
Laura Stumper-Robertson, Tischtennis-Spielerin, vielfache Deutsche Meisterin:
Für mich selbst ist das heute Neuland, aber mein Mann ist Brite, und er kennt Special
Olympics gut, dort sind Menschen mit geistiger Behinderung viel mehr in den Alltag und ins
Sporttreiben integriert. Adam: Ich war bei den Commonwealth-Games, und dort waren die
Teams einfach gemeinsam am Start, das fand ich sehr gut. Wir hatten viel Spaß zusammen!
Laura: Für mich ist es heute richtig spannend, und ich bin sogar ein bisschen aufgeregt, aber
ich freue mich sehr, einige Special Olympics Sportler kennen zu lernen.
Heike Drechsler, zweifache Olympiasiegerin im Weitsprung, Sportpatin, Sprecherin des Eids:
Ich komme gerade von der Bühne und bin noch ganz beeindruckt von dieser Atmosphäre,
der Begeisterung und dem Zusammenhalt, der hier unter den 10.000 Menschen zu spüren ist.
Es war ein sehr emotionales Erlebnis, und ich finde, das Special Olympics eine ganz, ganz
tolle Sache ist. Ich hatte schon in der Vergangenheit erste Erfahrungen mit SO Athleten, habe
mal einige trainiert. Und ich finde, von dem Engagement, der Ernsthaftigkeit und
Begeisterung, mit dem die Sportler bei der Sache sind, könnten sich einige unserer jungen
Sportler einiges annehmen. Wann immer ich wieder angesprochen werde ich bin jederzeit
gern wieder mit dabei!
Toni Marshall, Künstler und Entertainer, Sportpate:
Ich habe sofort ja gesagt, als ich gefragt wurde ich habe selbst eine dreifach behinderte
Tochter im Alter von 29 Jahren und eine Stiftung zugunsten behinderter Menschen. Außerdem
war ich selbst Sportler Kugelstoßer und Diskuswerfer. Und ich habe mal vor einem Special
Olympics Publikum ein Konzert gegeben, und das war eine so unglaubliche Begeisterung, die
ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Also freu’ ich mich sehr, heute dabei zu sein!